Absegeln mit der Hexe nach Helgoland

28. Oktober 2001

West 29 kn, 2-m-Wellen, 16,9 kn Fahrt
Wir sind auf dem Rückweg von Helgoland bei herrlichem Sonnenschein und so richtig guten Segelbedingungen. Jedenfalls in diese Richtung. Der 1.5er Spinnaker steht und lässt uns so manche Welle herunterrutschen, auch ohne viel Arbeit am Grinder.

Das ist ein Unterschied zu jenem Spinnakergang in Marstrand etwas früher im Jahr. Wir waren auf der Langstrecke der Europameisterschaft unterwegs bei stockfinsterer Nacht und Dauerregen. Damals auf dem Skagerrak haben wir bei ähnlichem Wind gekämpft, um das Schiff auf den kurzen und steilen Wellen zum Gleiten zu bringen, und dabei alle halbe Stunde den Mann am Grinder abgelöst. Und sind doch nicht schneller gewesen. Heute aber scheint die Sonne, wir haben richtig Glück mit dem Wetter, schließlich ist es schon Ende Oktober. Später dann, schon in der Elbe, freuen wir uns auf ein Rennen mit den einlaufenden Frachtern. Eine fiese kleine Welle, kurz und steil, wirft die Hexe aus dem Ruder. Nachdem der Spinnaker geborgen ist, gibt es Brote und Koteletts.

Aus dem Rennen wird erst mal nichts. Nicht immer Regatta zu segeln, ist auch sehr nett. Und außerdem sind wir alle wohl noch etwas müde. Schließlich will ein Absegeln, und gerade eins nach Helgoland, auch standesgemäß begangen sein. Und gestern waren wir auch nicht unfreiwillig an Land, wie beim letzten Mal auf der Insel. Die Erinnerung an Pfingsten, als wir bei einer Kollision den Mast beschädigten und nicht nach Edinburgh segeln konnten, mussten wir also auch noch aufarbeiten.

Inzwischen Höhe Vogelsand steht der Spi wieder. Bei flachem Wasser und etwas spitzerem Wind rauschen wir mit 14 Knoten dahin. Die Frachter sollen ruhig kommen. Wir jagen auf die Kugelbake zu und jemand sagt: "Jetzt stellt Euch mal vor, wir kämen jetzt aus New York!". So soll es in zwei Jahren sein. Bis dahin werden wir die 16,9 Knoten wohl überbieten und noch so manchen Sonnenschuss erleben. Mit diesem Ausblick und den Erinnerungen endet auch für die Hexe-Crew die Saison 2001.
Bernd Schädlich