Im fakultativen Bereich der allgemeinbildenden
Schulen Niedersachsens werden Schüler seit einigen Jahren auch mit Sportarten
vertraut gemacht, die im Schulunterricht bisher nicht angeboten wurden:
u. a. Rudern, Kanufahren, Windsurfen und eben Segeln.
Mit ideeller und finanzieller Unterstützung des Deutschen-Segler-Verbandes
richteten einzelne Bezirksregierungen Wassersportzentren ein, die im
Rahmen von Schullandheimaufenthalten, Projektwochen und Feriensportlehrgängen
in den Jahren ihres Bestehens zu nutzen waren - Schüler der Realschule
Cuxhaven (RSC) besuchten 1991 ein solches Zentrum am Alfsee bei Osnabrück.
Die Nähe zum Wasser, Vorerfahrung mit einer Segel-Arbeitsgemeinschaft
(AG) aus den 70er Jahren, potentielle Sponsoren und schließlich ein
aufgeschlossener Segelklub ermutigten uns, auch in Cuxhaven Schüler
an diese attraktive Sportart heranzuführen. Nach Klärung umfangreicher
versicherungsrechtlicher Voraussetzungen mit der Bezirksregierung,
der Stadt Cuxhaven und der Segler-Vereinigung-Cuxhaven (SVC)
startete die Segel-AG zum Schuljahr 1990/91 noch ohne eigene Boote -
und wurde hoffnungslos überzeichnet: mehr als 30 Anmeldungen gingen
ein, gerade ein Drittel konnte berücksichtigt werden. Die
SVC stellte entgegenkommenderweise ihren Jugendkutter mit Besatzung
zur Verfügung. Wir wurden im Vorhafen spazieren gefahren, träumten von
eigenen Booten und schnupperten fürs erste schon mal "Seeluft". Verhaltene
Stimmung und leichte Enttäuschung schlugen schließlich um in den starken
Willen, zusammenzubleiben und weiterzumachen.
Im Frühjahr 1991 ging es für eine Woche zum Alfsee nördlich Osnabrücks
ins Wassersportzentrum der Bezirksregierung Weser-Ems. Jeder bekam sein
eigenes kleines Segelboot ("Opti"), dazu standen drei größere Jollen
und ein Motorboot zu unserer Verfügung. Prächtiges Wetter, perfektes
Material, Wasserski und Unterkunft in zwei komfortablen Ferienwohnungen
schweißten in ausgelassen-heiterer Stimmung eine Crew zusammen. Das
war nach unserem Geschmack, das war der Durchbruch!
Boote bekamen wir inzwischen auch:
1. Die SVC zweigte - trotz großen Andrangs
in der eigenen Jugendgruppe - einen "Opti" aus ihrem Bootspark für uns
ab.
2. Der langjährige Vorsitzende und Kommodore der
SVC, Vollrath Fulfs, überließ uns das Jugendboot seiner Kinder,
eine französische "Vaurien".
3. Auf den beziehungsreichen Namen "bar-kasse" tauften wir eine "Blandina",
die mit großzügiger Unterstützung der Stadtsparkasse
Cuxhaven angeschafft werden konnte.
4. Der ehemalige Leiter der Orientierungsstufe
der Bleickenschule, Manfred Mußmann, übereignete uns freundlicherweise
seine "Pfeiljolle".
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Dass die SVC uns im Rahmen der Kooperationsmaßnahme
zwischen Schule und Sportverein jedes Jahr Liegeplätze in ihrem Hafen
bereitstellt, deren Kosten wir aus eigener Kraft niemals aufbringen
könnten, muss ebenfalls erwähnt werden.
Die Segel-AG der Realschule Cuxhaven steuerte
Langezeit in ruhigem Fahrwasser, starker Zuspruch sicherte ihren Bestand.
Ab Sommer 95 mussten wir in den Jollen gar ein wenig zusammenrücken,
denn mit Beginn des neuen Schuljahres stieg für einige Jahre die neugegründete
Segel-AG der OS-Bleickenschule zu uns in
die Boote.
Auf großes Interesse stießen drei Veranstaltungen, deren Attraktivität
wohl den einen oder anderen Schüler zusätzlich motiviert haben mag,
sich der Segel-AG anzuschließen: die bereits erwähnte Fahrt ins Wassersportzentrum
Alfsee bei Osnabrück und die beiden Projektwochen im Herbst 1996 und
1997 "Mit der richtigen Einstellung zu Wind und Wetter viel Spaß beim
Segeln in Bederkesa!" -
Naturnah und landschaftlich reizvoll gelegen bot der gastgebende Wassersportverein
Bederkesa eine willkommene Basis, um in sportlich-schlichter
Atmosphäre erste Segeleindrücke zu sammeln oder schon darüber hinausgehende
Kenntnisse zu erwerben. Mit Luftmatratze und Schlafsack fand man in
der geräumigen Bootshalle zwischen aufgepallten Jollen sein zünftiges
Nachtlager; Paddeln um die Wette, Wasserschlacht und Grillfest rundeten
das Erlebnis ab. Kleine, aber nicht unüberwindliche Probleme drücken
ein wenig: Die Boote kommen in die Jahre, das Material verschleißt .
Wartung und gelegentliche Reparaturen müssen innerhalb der AG gelöst
werden und kosten zunehmend mehr Zeit, die dann beim Segeln fehlt.
Mit dem Schuljahr 01/02 ging die Segel-AG der RSC
ins zwölfte Jahr ihres Bestehens. Viele Schüler und Schülerinnen freundeten
sich teils mehr teils weniger mit dem Segelsport an. Einige ergriffen
die Gelegenheit und wurden Mitglied in der SVC,
um ihr neues Hobby mit besserem und anspruchsvollerem Material noch
intensiver zu erleben. Ihre Teilnahme an Jugendregatten und langen Sommertörns
bis in dänische und schwedische Reviere belegen einen weiteren Erfolg
der Kooperation von Realschule und Segler-Vereinigung in Cuxhaven.
Wolfgang Mehlhoff
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