Deutsche Meisterschaft im Südpazifik
Die 80. Rolex-Sydney-Hobart Regatta startete am 2.Weihnachtstag. Die parallel laufende virtuelle Version von „virtual regatta“ war vom DSV als offizielle esailing DM ausgeschrieben. Die Anmeldung über manage2sail führte anfangs zu Verwirrung, da u.a. Notfallkontakte an Land abgefragt wurden, die aber natürlich nicht eingetragen werden mussten.
12000 Spieler (Segler) aus vielen Nationen machten sich am 2.Weihnachtstag am Bildschirm auf den Weg, 47 davon kämpften um die Deutsche Meisterschaft. Viele davon sind Navigatoren in Regattacrews und betrachten dies als „Trockentraining“. Es galt die Wetterverhältnisse vor Südostaustralien für die folgenden 3 Tage optimal einzuplanen. In dieser Regattasimulation werden in Echtzeit die realen Windverhältnisse vorgegeben, Kurs und Segel stellt man dann entsprechend ein und hofft, dies besser zu machen als die anderen 11999 Mitspieler.
In diesem Jahr waren die Vorhersagen nicht sehr kompliziert: ein Tief zog nach Osten ab, so dass am Start auf seiner Rückseite mit stabilem, aber mäßigem Südwind zu rechnen war. Ein kleines Hoch sollte folgen. Entsprechend startete die echte Flotte am Boxing-Day bei bedecktem Himmel und Halbwind aus Sydney Harbour. Taktisch nicht sehr anspruchsvoll, ging es auf die Kreuz nach Süden Richtung Tasmanien.
Die echten Boote hatten mit erheblichem Wellengang zu kämpfen, es gab Aufgaben wegen Seekrankheit.
Beim Bildschirmsegeln brauchte man damit wenigstens nicht zu kämpfen, die elektronische Crew zickt nicht.
Mein grober Plan war, mit langen Schlägen nach Süden zu kreuzen und dann in der zweiten Regattahälfte das angekündigte kleine Hochdruckgebiet mit Nordwinden für Raumschotskurse zu nutzen. Die spannende Stelle war der Übergang der Wettersysteme, vermutlich würde in der berüchtigten Bass-Strait bei rechtdrehenden abnehmenden Winden eine Vorentscheidung fallen.
Der erste Holeschlag führte zwei Stunden von der Küste weg und endete mit enttäuschendem Platz 1200. Danach ging es fast küstenparallel nach SW, wobei ich 600 Plätze gut machen konnte.
Ab jetzt wurde es immer wichtiger, den kommenden Winddreher einzukalkulieren. Ich entschied mich in dieser ungewissen Situation für einen abgesicherten mittleren Kurs, um mir möglichst viele Optionen offen zu halten, das brachte mich weitere 300 Plätze nach vorn. In einem langgezogenem Bogen von über 100nm mit ständigem Auffieren konnte ich das Zentrum des Hochs meiden und mit mäßigen Winden auf der Westseite des Hochs einen guten Kompromiss zwischen Weglänge und Windstärke finden. Und wie erwartet hatte sich das Feld weit auseinandergezogen, mit Platz 173 erreichte ich die Tasmanische Küste, das bedeutete Platz 10 in der Deutschen Meisterschaft, ich war zufrieden.
Doch jetzt stand eine lange Nacht bevor und die hatte es nochmal in sich. Es wurde knifflig, ganz dicht unter Land war der Wind schwächer, der Winkel aber 20 Grad günstiger. Das bedeutete sehr viele Halsen in Landnähe, aber ich wollte nicht wach bleiben, im Alter braucht man schließlich seinen Schlaf. Dafür stand ein Autopilot mit zu programmierenden Wegepunkten zur Verfügung.
Mein Plan ergab beim Aufwachen ein zweischneidiges Ergebnis: Mit Platz 167 in der Gesamtwertung nochmal sechs Plätze verbessert, aber Platz 11 in der Wertung für die Deutsche Meisterschaft, knapp die Top Ten verpasst. Da hatte sich ein deutscher Konkurrent in der Nacht noch vorbeigeschoben. Die letzten Meilen nach Hobart stellten keine Herausforderung mehr dar, nach 3 Tagen und 7 h im Ziel und nur 15 min nach dem Deutschen Meister. Es hat wieder richtig Spaß gemacht, aus dem bequemen Sessel gegen das Wetter zu spielen und es besser gemacht zu haben als 12000 andere.
Viele Grüße
Dierk Müller
SVC/AK


