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Liebe Segelkameradinnen und Kameraden

Als relativ neue Mitglieder im SVC sind wir für viele von Euch noch eine Unbekannte. Mit diesen Zeilen versuche ich ein wenig Licht ins Dunkelblau der Andrea Louise zu bringen.

Sommerferien sind Kindheit in der reinsten Form. Die Sonne scheint den ganzen Tag, die einzigen Kleider die Kind braucht sind T-Shirt und kurze Hose, das Essen besteht hauptsächlich aus Eis, Zuckerwatte und Waffeln mit Erdbeeren. Regen existiert förmlich nicht, die Tage sind unendlich, draußen sein, baden, fangen spielen und Krabben fischen, die Fantasie treibt die Gedanken rechts und links und die Dämmerung ist der einzige Grund reinzugehen um das Spiel für kurzen Erholungsschlaf zu unterbrechen.

Und so sind sie, die skandinavischen Sommer meiner Kindheit. Glaubt ihr mir nicht? Vertraut mir, unsere Kinder wissen genau wovon ich hier spreche.

Wir zogen los, am ersten Tag der Ferien, es gilt keinen Tag zu verpassen. Die Kinder parkten wir vorab in Norwegen, Kris und ich legen Samstag Abend um 22h ab um in einem Zug double handed unsere Andrea Louise in den Schärengarten von Søgne zu Segeln. Es ist noch ein wenig windig auf der Elbe, die Aida zieht an uns vorbei und wir biegen nach Norden ab. Mit der Dunkelheit tanzen immer mehr Lichter vor uns und zu einem Zeitpunkt frage ich Kris ob der Tannenbaum vor uns in unsere Richtung kommt oder still steht. Währenddessen schaue ich nicht mehr nach hinten, bis Kris seinen Kopf aus der Luke hebt und mich fragt ob ich das kleine Frachtschiff hinter uns sehe. Da wir Raumschots mit 8 Knoten durch die Elbmündung „rasen“, zieht der dreckige Knochen ziemlich langsam an uns vorbei. Der Tannenbaum erweist sich zeitgleich als Baggerboot und ab da wirds still. Kris und ich wechseln uns ca alle 2 Stunden am Ruder ab. Nachtsegeln erweckt bei mir immer alle Sinne in einer faszinierenden Stärke. Der Basilikum in unserem Garten, der Seewasser und Wind sowieso grundsätzlich nicht mag, riecht so intensiv, dass mir fasst übel wird. Sternschnuppen erhellen den Nachthimmel und das Geräusch vom Rumpf, wie er das Wasser spaltet sind unsere Begleiter bis die Sonne sich langsam wieder über den Horizont bemüht. Wir Segeln weiter, vorbei an Amrum, Sylt und Romø, entlang der Küste Dänemarks bis hoch nach Thyborøn. Zu dem Zeitpunkt sehne ich mich nach Essen ohne Bewegung. Und nach einer kurzen Pause von den Wellen. Immerhin steht uns als nächstes die Skagerrak Überquerung bevor. Kris sieht das anders, es ist 23h, er will wegen des guten Windes weiter segeln. Ich erinnere ihn kurz an Happy Wife, Happy Life und so machen wir 6 Std Pause in Thyborøn, die Delfine spielen mit unserem Rumpf als wir in den Hafen einlaufen und ich genieße essen ohne Bewegung.

Der nächste Morgen geht früh los und um 6 zeigt der Kompass schon wieder Richtung Norden. Kurze Zeit später schwindet der dänische Sand außer Sichtweite und wir genießen Skagerrak Welle aus West bei wunderbaren 15-18knoten Wind. Mittags ist Flaute angesagt und ein Winddreher um 180 Grad. Er kommt wie angesagt und wir schmeißen unseren Freund Mr Volvo Penta an, der uns zuverlässig durch das Flauten Loch bringt. Bis… Er nur noch gluckst. Er hustet noch drei, vier Mal und entschwindet sodann in einen tiefen Schlaf. Ihm war wohl etwas zu heiß geworden, und das obwohl aus ihm zuverlässig Skagerrak Wasser ausgelaufen war. Wir wechseln gekonnt auf hoher See den Impeller in der Hoffnung alle Probleme gelöst zu haben. Der Wind hat aus Ost eingesetzt und ich ziehe alles an Segel hoch was wir haben. Nach wenigen Minuten haben wir Welle aus West und Welle aus Ost. Was für ein Vergnügen. Wir gönnen unserem Mr Volvo Penta ein wenig Ruhe nach all der Aufregung und hoffen, dass sein Gemüt sich bald wieder abkühlt. Wenige Stunden später sehen wir auch schon Land und Schären, die Skagerrak war ruhig wie nie, und das Einlaufen in meine Heimat, zum aller ersten Mal von dieser „Seite“, ist ein wenig emotional. Zwischen den Schären von Ny-Hellesund stirbt der Wind und wir lassen den Motor an um sicher in unseren Hafen zu kommen. Ich sage noch scherzhaft zu Kris, dass es ja echt n Witz wäre wenn uns jetzt hier kurz vor knapp der Motor abraucht. Ich sollte lernen meine Klappe zu halten. 20m vor dem Steg gluckst Mr Volvo Penta zum letzten Mal an diesem Tag. Wir gleiten an den Steg als wenn es genau so geplant gewesen wäre. Dort steht meine Familie und unsere Kinder winkend und jubeln uns zu. Die Kinder springen sofort auf das Boot das ihre zweite Heimat ist.

Vor uns liegen nun drei Wochen Reparatur. Wir rätseln und Kris schraubt und schraubt. Am Ende finden wir hinterm Wärmetauscher ein Loch aus dem das ganze Kühlerwasser rausrennt wie aus einem Sieb. Zum Glück ist Norwegen ein Land der Segler und wir kriegen im Dorf Ersatzteile. Inklusive einer magischen Paste die das Loch in Vergessenheit geraten lässt. Fragt bitte niemals nach wie viele Liter Kühlflüssigkeit wir unwissend in der Nordsee versenkt haben. Der Motor tuts wieder, besser als je zuvor, wir sind mit uns selbst sehr zufrieden. Der Heimreise steht nun nix mehr im Wege. Während der drei Wochen hatten wir bestes Wetter, die Kinder waren vergnügt mit den Großeltern beschäftigt und eigentlich will keiner mehr zurück. Es hilft alles nix, irgendwann sind Ferien zu Ende, auch wenn ein Kind der Meinung ist, es könnte ja einfach in Norwegen zur Schule gehen.

Zurück geht es über Kristiansand nach Hirtshals, von wo aus wir über Skagen nach Læsø weitersegeln um Freunde zu besuchen die auf der Insel wohnen. Nach ein paar Tagen auf dieser wunderschönen Insel segeln wir weiter nachher Grenaa und Samsø. Wir beobachten aus der Ferne das schlechte Wetter über Norddeutschland und beschließen, noch ein paar Tage hier zu verweilen. Das Inselleben bekommt unseren Kindern sehr gut, sie leben in einer Freiheit die sie zuhause in Bremen nicht haben und die sie zu sehr eigenständigen kleinen Menschen macht. Sie schliessen viele neue Freundschaften und sind immer mit irgendwas sehr wichtigem beschäftigt. Kris hat endlich Zeit zum Kite surfen. Die Kinder wollen noch ins Tivoli, es artet fasst in Freizeitstress aus. Von Nyborg aus geht’s weiter nach Langeland, wo wir noch ein paar Freunde auf ihrem Hof besuchen. Von da aus machen wir kurzen Prozess mit dem Rückweg. Es zieht Sturm auf, die Windrichtung ist Mist und es gibt nur ein kleines Fenster um von Langeland ohne viel Aufriss nach Kiel zu kommen. Es wird ne halbe Nachtfahrt mit sehr nervigen Tankern, die scheinbar starke Orientierungsprobleme haben. Warum sie Zick-Zack außerhalb der Fahrrinne fahren und immer wieder den AIS ausmachen versteht an Bord niemand und es macht die Navigation nicht leichter.

Wir ziehen durch, direkt morgens in den Kanal und weiter zurück in den SVC. Unsere Andrea Louise war für 6 Wochen wieder unser „Zuhause“ und die Kinder müssen sich nun schnell wieder ans Land leben gewöhnen.

Wir freuen uns jetzt auf die Saison 2026 und auf das Jubiläumsjahr des SVC.

Euch allen frohe Weihnachten, ruhige Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Viele Grüße von
Kapitänöse Victoria,
Smutje Kris,
Dem Piraten Roald und den Matrosen Carl und Frieda