Bereits im Juli 2025 haben wir über unsere erste Teiletappe von Cuxhaven bis Madeira berichtet. Nun soll ein Anschlussbericht folgen.
Dieser Bericht soll weniger ein Reisebericht, sondern viel mehr ein Erfahrungsaustausch mit all denen sein, die eine ähnliche Reise planen. Reiseberichte gibt es im Netz in Hülle und Fülle. Nutzvolle Ausrüstung/ Ausrüstungsgegenstände findet man im Internet komprimiert eher selten. Hierfür soll dieser Artikel in erster Linie dienen.
Auf Madeira sind wir bis zum 31.07.2025 geblieben. Hier haben wir einige Wanderungen unternommen. Allerdings unter erschwerten Bedingungen, denn es war dort zu der Zeit eine große Hitzewelle. Die Ankerbuchten und Häfen können sehr unruhig sein, selbst bei wenig Wind. Hier kann man nie sicher sein, eine ruhige Nacht zu haben. Die Insel ist wg. ihrer Vegetation im Frühjahr sehr schön, im Hochsommer war dort leider nicht viel von zu erkennen. Für Segler ist Madeira wg. der bereits o.g. rolligen Ankerbuchten und der wenigen Häfen nicht zu empfehlen. Wir waren vier Wochen dort und das war auch mehr als genug! Von Madeira ging es in fünf Seetagen weiter nach La Graciosa/ Kanarische Inseln. 22 Stunden vor der Ankunft, ging unser Autopilot auf Störung. Also hieß es fortan, selbst zu steuern. Das Verbindungsbauteil zwischen Autopilot und Ruderquadrant war abgebrochen. Zwar hatten wir dieses Teil als Ersatz dabei, jedoch war die Montage während der Fahrt bei dem Wellengang nicht möglich. La Graciosa wird tagsüber von vielen großen Touristenkatamaren angelaufen, wodurch es dort in der Ankerbucht sehr lebhaft zugeht.
Von hier ging es weiter nach Lanzarote.
Auf Lanzarote mussten wir länger verweilen, als eigentlich geplant, denn ich hatte mit meinem Sehen große Probleme bekommen, weshalb ich mir dort eine neue Brille anpassen ließ. Die Auslieferung der Brille dauerte eine Woche. Und dann fing die Odyssee an. Wir fuhren weiter nach Fuerteventura. Dort musste ich leider feststellen, dass ich mit der Brille nicht zurechtkam und wir fuhren zurück nach Lanzarote und neue Gläser wurden angefertigt – wieder eine Woche warten. In der Zeit ist uns unsere Tochter zwei Wochen besuchen gekommen. Die Zeit war sehr schön mit ihr. Wir konnten die Brille abholen, aber richtig glücklich war ich damit nicht…
Arzttermine
Insofern kann ich nur jedem empfehlen, sämtliche Arzttermine und auch einen Optikertermin bei dem Optiker seines Vertrauens noch in Deutschland wahrzunehmen, bevor eine mehrmonatige Reise angetreten wird.
Heimweh
Auch das Thema Heimweh ist nicht zu unterschätzen. Nachdem unsere Tochter wieder abgereist war und es mir wg. meines Sehens und der Hitze mental mittlerweile auch nicht mehr gut ging, verspürte ich ein starkes Bedürfnis, nach Hause zu fliegen. Zu dem Zeitpunkt waren wir schon fast fünf Monate unterwegs. Mittlerweile waren wir bereits auf Gran Canaria/ Las Palmas. Hier lagen wir in der Ankerbucht, die extrem ruhig ist, selbst bei viel Wind, und Ende September war wg. der ARC auf Gran Canaria und auch auf Teneriffa kein Liegeplatz für 4 – 5 Wochen zu bekommen. Wir konnten kurzfristig einen günstigen Flug buchen, einen Liegeplatz fanden wir schlussendlich in Morro Jable/ Fuerteventura. So fuhren wir wieder 10 h eine Insel zurück.
Daheim hatten wir 5 Wochen Fulltime Arbeitseinsatz, bevor es zurück ging. Hier habe ich dann auch die Möglichkeit genutzt, den Optiker meines Vertrauens aufzusuchen. Auch die zweite Brillenanfertigung von Lanzarote war eine Vollkatastrophe. Ich ließ mir daheim eine neue Brille anfertigen. Glücklicherweise konnte ich die kanarische Brille reklamieren und ich bekam den vollen Kaufpreis erstattet! Wenigstens etwas…
Von Furteventura ging es dann wieder nach Gran Canaria und von dort nach Teneriffa/ Santa Cruz. Dort hat es uns sehr gut gefallen. Santa Cruz hat schon einen anderen Baustil und lässt an die Karibik erinnern. Von dort ging es weiter nach La Gomera. El Hierro und La Palma haben wir nicht angesteuert, weil wir von den Kanaren gesättigt waren. Es sollte nun weitergehen.
Also proviantierten wir, um ausreichend versorgt zu sein für die Überfahrt in die Karibik.
Die Kapverdischen Inseln wollten wir nach Möglichkeit nicht ansteuern. Doch die Entscheidung wurde uns schnell abgenommen. Denn die Halterungen der Befestigungsstangen des Radarmastes, welcher am Heck montiert ist, waren beide abgebrochen. Der Mast hatte keinen Halt mehr! Außerdem war das Autopilotverbindungsteil wieder abgebrochen. Wir hatten einen stabileren Ersatz dabei, den Gerhard diesmal auch während der Fahrt getauscht hat. Doch dieses Bauteil wollten wir unbedingt nochmal als Ersatz anfertigen lassen. In Mindelo hatten wir die Möglichkeit, diese Dinge fertigen zu lassen. Geduld war hier gefordert, denn die Werkstatt vertröstete uns von Tag zu Tag…
Radarmast
Am dritten unserer Überfahrt in die Karibik ist uns wieder eine der Halterungen des Radarmastes abgebrochen. Wer an seinem Boot einen Radarmast anbauen lassen möchte, muss sich darüber im Klaren sein, dass hier starke Hebelkräfte zum Tragen kommen. Verstärkt wird das ganze noch durch die kardanische Aufhängung des Radarschirms. Uns wurde bei der Aufrüstung von der Werft dieses System empfohlen und von einem Geräteträger abgeraten. Wir müssen leider sagen, dass die Installation, wie bei uns geschehen, nicht die richtige Wahl war. Hier werden wir noch nachbessern müssen!
Ruderanlage
Im Winterlager hatten wir bemerkt, dass unser Ruderlager „Spiel“ hatte. Leider hatten wir verpasst, die Lager erneuern zu lassen. Auf dem Weg nach Madeira, als hohe Wellen waren, machte das Ruder unliebsame Geräusche und wir versuchten, durch Segeltrimm und einen optimalen Kurs, möglichst wenig Belastung auf die Ruderanlage kommen zu lassen. Schon in Madeira waren wir geneigt, in eine Werft für die Reparatur zu gehen, haben uns dann aber dagegen entschieden. Diese gewisse Problematik hat uns bis in die Karibik begleitet. In Mindelo haben wir einige Boote kennengelernt, die mit Ruderlagerschäden zu kämpfen hatten und die dort auch repariert werden sollten. Leider mit schlechtem Erfolg. Fazit: Sofern die Ruderanlage Mängel ausweist, sollte dieses noch vor der Abfahrt in Deutschland erneuert werden.
Zur Ruderanlage zählt auch der Autopilot und die Steuerung generell.
Der Autopilot sollte ausreichend groß dimensioniert sein, damit er einer tagelangen Dauerbelastung Stand hält. Sofern der Autopilot und die Steuerung hydraulisch funktionieren, muss unbedingt an Hydrauliköl und an Simmeringe gedacht werden. Wir haben zwei Skipper kennengelernt, deren Autopiloten wg. eines defekten Simmerings und fehlenden Hydraliköls über mehrere Tage einen Ausfall zu beklagen hatten.
Sicherheit
Wir haben vor der Abfahrt aus Gurtband sehr viele Halteschlaufen genäht, die im Salon an den Haltegriffen angebracht sind und auch in der Plicht. Rund um den Cockpittisch haben wir ein Rundumlaufgurtband installiert. Im Salon legen wir immer die Rettungsweste an, bevor es nach draußen geht. Bei viel Seegang und während der Nachtwache picken wir uns mit dem Lifebelt in dem Rundlaufgurt ein. Bei sämtlichen Arbeiten außerhalb des Cockpits ist Rettungsweste und Lifebelt obligat. Die Lifebelts haben einen kurzen und einen langen, durch eingenähtes Gummiband, reckbaren Teil. So läßt es sich hiermit sehr gut arbeiten.
Wetterrouting gehört auch zur Sicherheit dazu. Wir haben hierfür das Satellitentelefon von Garmin Iridium GO! in Verbindung mit Predictwind genutzt. Diese Vorhersagen haben wir zweimal täglich abgerufen. Dadurch konnten wir Flauten sowie Starkwindzonen rechtzeitig ausweichen. Wir konnten so wohl nicht den direkten Kurs fahren (schlussendlich waren es ca.170 zusätzliche sm!), aber wir konnten so eine große Flaute von ca. vier Tagen umfahren.
Leinen, Tauwerk, Schekel & Co
Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass eine Vielzahl an Leinen und Tauwerk in verschiedenen Längen und Dicken sehr hilfreich ist. Es muss nicht gleich ein Leinenbruch sein, aber dennoch fällt einem während der Fahrt doch so einiges ein, was verbessert werden kann. Hier ist es dann sehr von Vorteil, wenn aus dem Vollen geschöpft werden kann.
In Mindelo sind uns gedrehte Festmacherleinen abgerissen. Dort im Hafen ist starker Schwell, der die Boote extrem in Bewegung bringt. Die ganze Steganlage ist nur mit Ketten miteinander verbunden, Dalben, wie wir es bei uns kennen, gibt es dort nicht. Die Boote legen in der Regel mit dem Heck am Steg an und der Bug wird an einer Mooringtonne festgemacht. Marinieros sind mit einem Dinghy behilflich. Der Haupthalt wird über die Mooringtonnen erlangt! Auf dem Steg muss man schon sehr gangsicher sein, sonst liegt man im Wasser! Um die Leinen zu schonen, sind Ruckdämpfer das Mittel der Wahl. Am besten sind hier starke Federn, die bei Zug zusammenziehen. Bei uns in Deutschland sind diese weitgehend unbekannt.
Überfahrt von Mindelo nach Martinique
Am 14.12.25 haben wir die Überfahrt von Mindelo/ Kap Verden nach Martinique als Zweiercrew gestartet.
Größere Schäden haben wir nicht zu beklagen, einzig sind die Nieten der Verankerung des Rödkicker am Mast einseitig herausgezogen und eines Schelle des Radarmastes ist sehr schnell wieder gebrochen. Auf der Backbordseite ist außerdem die Gummischeuerleiste aus dem Profil herausgerutscht.
Kleinausrüstung
Wir haben wiederaufladbare Stirnlampen mit weißem, rotem und grünem Licht, die vor allem bei Manövern in der Nacht sehr hilfreich sind. Wir haben auch einige Male eine wiederaufladbare Taschenlampe benutzt, um in die Segel zu leuchten. Für unsere Ankermanöver und zur generellen Kommunikation zwischen Vordeck und Plicht, sind Headsets mit Bluetoothkopplung sehr hilfreich. Wir wollen diese Headsets nicht mehr missen.
Schlafplatz und Unterhaltung
Nicht zu unterschätzen sind die bequemen Schlafmöglichkeiten und die viele Zeit während der Überfahrt. Hierfür ist es wichtig, einen ruhigen und bequemen Schlafplatz für sich zu finden. Im Hafen und vor Anker schlafen wir in der Bugkabine, doch während der Fahrt ist dieser Schlafplatz tabu. So müssen wir beide einen Ausweichplatz haben, auf dem unser Rücken mehr als 12 Stunden ausharren kann… Rückenverspannungen und Kopfschmerzen können durchaus auftreten.
Für die viele Zeit ist es zum Zeitvertreib sehr sinnvoll, sich genügend Hörbücher auf das Handy herunterzuladen, sowie schöne Musik, denn die Tage und Nächte können lang werden. Wir haben beide Bluetoothkopfhörer, mit denen wir, ohne den anderen zu stören, unsere Medien hören können.
Gymnastikmaterial
Für die Gesunderhaltung des Rückens, haben wir eine Turnmatte, Loops, Terraband und Faszienrollen an Bord. Einen Ballfender haben wir mitunter als Pezziball benutzt. Allerdings ist die Gymnastik während der Fahrt unfallträchtig und es bedarf der Assistenz des Partners.
Ankunft auf Martinique
Nach 15 Tagen und sechs Stunden sind wir unversehrt und glücklich auf Martinique/ Le Marin angekommen. Wir sind froh, diese lange Etappe ohne Verletzungen und größere Schäden geschafft zu haben. Jedem muss trotzdem klar sein, dass auf jeder Reise etwas kaputt gehen kann und wird. Erfahrene Segler sagen sogar, man repariere sich um die Welt. Hiervon waren wir sehr weit entfernt.
Von unserer Bordapotheke mussten wir keinen Gebrauch machen. Wir hatten, mit Ausnahme eines Tages, immer guten Segelwind von 10 – 22 Knoten. Wir sind mit dem Passatsegel gefahren, teils aber auch nur mit gerefftem Großsegel. Ein Leichtwindsegel haben wir nicht im Gepäck. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden und auch nicht vermisst. Die Segel der Segelwerkstatt Stade haben gute Dienste geleistet und unser Boot sehr gut vorangebracht.
Babette Burchards / SVC